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# Mit Subtilis im Darm schläft man besser?
- URL: https://www.subtila24.de/mit-subtilis-im-darm-schlaft-man-besser/
- Published: 2026-08-21T10:27:40.000Z
- Updated: 2026-09-05T14:13:10.000Z
- Description: Wir schlafen. Unser Darm nicht. Bacillus subtilis besitzt sogar eine eigene innere Uhr. Was Tryptophan, Serotonin und das Mikrobiom damit zu tun haben – und warum Forscher inzwischen untersuchen, ob Bacillus subtilis tatsächlich unseren Schlaf beeinflussen kann.
- Author: Andreas W. Kraus
- Tags: News

## Was ein Bakterium mit eigener innerer Uhr, unser Mikrobiom und die Chemie des Schlafs miteinander zu tun haben könnten

Es ist kurz vor Mitternacht. Das Licht geht aus, das Smartphone landet auf dem Nachttisch, die Augen schließen sich. Für uns beginnt damit eine Phase, die sich nach Stillstand anfühlt. Dabei geschieht genau das Gegenteil. Während wir schlafen, sortiert das Gehirn Erinnerungen, Hormone verändern ihre Konzentrationen, das Immunsystem folgt seinem Tagesrhythmus, Stoffwechselprozesse werden neu organisiert. Herzschlag, Körpertemperatur und Verdauung verändern sich. Der Körper schaltet nicht ab. **Er wechselt sein Programm.**

Und der Darm? Auch dort wird es nicht einfach Nacht. In diesem dicht besiedelten Lebensraum befinden sich Billionen Mikroorganismen, deren Welt sich mit jeder Mahlzeit verändert. Stundenlang strömen Kohlenhydrate, Proteine, Fette, Pflanzenstoffe und Mineralien vorbei. Dann endet die Nahrungszufuhr. Gallensäuren verändern sich, Darmbewegungen verändern sich, Nährstoffe werden knapper. Für die Bewohner dieses Ökosystems beginnt eine andere Phase des Tages. Lange Zeit betrachtete man Darmbakterien vor allem danach, **wer überhaupt da ist**. Heute interessiert die Forschung zunehmend eine andere Frage: **Was tun diese Mikroorganismen – und wann tun sie es?**

Denn auch das Mikrobiom scheint einen Tagesrhythmus zu besitzen. Eine 2026 in *Nature Communications* veröffentlichte Untersuchung mit 6.941 Menschen fand Zusammenhänge zwischen Darmmikrobiom, Schlafqualität, Chronotyp und sogenanntem Social Jetlag. Das beweist nicht, dass bestimmte Darmbakterien guten oder schlechten Schlaf verursachen. Die Beziehung könnte in beide Richtungen verlaufen: Unser Schlaf beeinflusst die mikrobielle Welt in uns – und diese mikrobielle Welt könnte wiederum mit unserem Schlaf verbunden sein.

Damit beginnt eine Art biologisches Henne-Ei-Problem.

**Schlafen wir schlechter, weil sich unser Darm verändert? Oder verändert sich unser Darm, weil wir schlechter schlafen?**

Vielleicht trifft sogar beides zu.

Doch mitten in dieser Forschung taucht ein Organismus auf, bei dem die Geschichte noch erstaunlicher wird.

***Bacillus subtilis*.**

Ein Bakterium ohne Augen. Ohne Gehirn. Ohne Zirbeldrüse. Ohne Armbanduhr.

Und trotzdem scheint es zu wissen, **wie spät es ist.**

## Ein Bakterium mit einer inneren Uhr

Dass Pflanzen eine innere Uhr besitzen, überrascht niemanden. Blumen öffnen sich zu bestimmten Tageszeiten, Blätter verändern ihre Stellung, Stoffwechsel und Wachstum folgen dem Wechsel von Licht und Dunkelheit. Auch wir Menschen tragen circadiane Uhren in unserem Organismus. Selbst wenn äußere Zeitinformationen fehlen, laufen biologische Rhythmen ungefähr im 24-Stunden-Takt weiter.

Bei einem Bodenbakterium erwartet man so etwas zunächst nicht.

Doch genau das wurde bei *Bacillus subtilis* gefunden. Experimente zeigten nahezu 24-stündige Rhythmen der Genaktivität. Die Bakterien ließen sich durch äußere Zeitgeber wie Licht und Temperatur synchronisieren. Anschließend liefen die Rhythmen auch unter konstanten Bedingungen weiter. Und 2026 ging eine in *Nature Communications* veröffentlichte Arbeit noch weiter: Die circadiane Organisation von *B. subtilis* koordiniert räumlich und zeitlich Genaktivität, Wachstum und Entwicklungsprozesse innerhalb von Kolonien. Bestimmte biologische Vorgänge scheinen bevorzugt in bestimmten Phasen dieses Rhythmus stattzufinden.

Man muss sich einen Moment klarmachen, was das bedeutet.

Eine Bakterienzelle ist nur wenige Mikrometer groß. Sie besitzt kein Nervensystem und kein Bewusstsein. Sie kann morgens nicht aus dem Fenster schauen. Und trotzdem trägt dieses winzige Lebewesen eine biologische Zeitorganisation in sich.

**Bacillus subtilis lebt nicht nur im Raum. Er lebt offenbar auch in der Zeit.**

Damit bekommt eine zunächst fast kindlich klingende Frage plötzlich wissenschaftliche Berechtigung:

**Was macht Bacillus subtilis eigentlich, während wir schlafen?**

Darauf kennen wir die vollständige Antwort nicht. Zwischen einem circadianen Rhythmus in einer experimentell untersuchten Bakterienkolonie und einem *Bacillus subtilis*, der sich vorübergehend durch den menschlichen Darm bewegt, liegt wissenschaftlich ein großer Abstand. Beides darf nicht einfach gleichgesetzt werden.

Aber im Darm könnte tatsächlich etwas ausgesprochen Interessantes aufeinandertreffen: Unser Körper folgt einem Tag-Nacht-Rhythmus. Unser Verdauungssystem folgt Rhythmen. Unser Mikrobiom verändert seine Aktivität über den Tagesverlauf. Und ausgerechnet ein Bakterium, das diesen Lebensraum passieren kann, besitzt selbst eine circadiane Organisation.

Doch Zeit ist nur ein Teil dieser Geschichte.

Der andere beginnt mit einem Molekül, das wir täglich mit unserer Nahrung aufnehmen.

**Tryptophan.**

## Eine biochemische Kreuzung

Tryptophan ist eine essentielle Aminosäure. Wir Menschen können sie nicht selbst herstellen und müssen sie über die Nahrung aufnehmen. Doch Tryptophan kann weit mehr, als Bestandteil eines Proteins zu werden. Von diesem einen Molekül führen verschiedene biochemische Wege in völlig unterschiedliche Richtungen. Einer kann schließlich zu Serotonin und weiter zu Melatonin führen. Ein anderer führt in den Kynurenin-Stoffwechsel. Darmmikroorganismen wiederum können Tryptophan in verschiedene Indolverbindungen überführen.

Tryptophan ist deshalb weniger eine Endstation als eine **biochemische Kreuzung**.

Und *Bacillus subtilis* verfügt an dieser Kreuzung über ein erstaunlich ausgefeiltes Kontrollsystem.

Anders als wir Menschen kann das Bakterium Tryptophan selbst herstellen. Doch eine solche Produktionsanlage ständig auf Hochtouren laufen zu lassen, wäre energetische Verschwendung. Warum mühsam Tryptophan produzieren, wenn bereits ausreichend davon vorhanden ist?

Also muss die Zelle ihre Versorgungslage registrieren können.

Dafür besitzt *B. subtilis* ein bemerkenswertes molekulares System. In dessen Zentrum steht **TRAP – Tryptophan RNA-binding Attenuation Protein**. Mehrere gleiche Untereinheiten bilden einen ringförmigen Komplex. Ist ausreichend Tryptophan vorhanden, bindet es an TRAP und verändert dadurch die Regulation der Gene, die mit der Tryptophanbiosynthese zusammenhängen. Wird Tryptophan knapp, kann die Produktionsmaschinerie entsprechend anders reguliert werden. Mit Anti-TRAP existiert sogar ein Gegenspieler innerhalb dieses fein abgestimmten Systems.

Molekularbiologisch ist das kompliziert. Das Prinzip dahinter ist erstaunlich einfach.

**Das Bakterium registriert seine chemische Umgebung und passt sein Verhalten daran an.**

Natürlich „misst“ *Bacillus subtilis* Tryptophan nicht so, wie wir einen Blutwert messen. Aber funktionell geschieht etwas Faszinierendes: Die Verfügbarkeit eines Moleküls wird erkannt – und daraufhin verändert sich die Genaktivität.

Man kann sich das wie eine winzige Fabrik vorstellen. Am Eingang sitzt ein Sensor. Ist das Lager voll, wird die Produktion gedrosselt. Leeren sich die Regale, werden Maschinen wieder hochgefahren.

Und all das geschieht in einem Lebewesen von wenigen Mikrometern Größe.

Warum ist das für unsere Geschichte über Schlaf interessant?

Weil Tryptophan für unseren Körper ebenfalls alles andere als irgendeine Aminosäure ist.

Ein Teil davon gelangt in einen Stoffwechselweg, an dessen Ende ein Molekül steht, dessen Namen praktisch jeder kennt:

**Serotonin.**

## Chemie, die mitentscheidet, ob sich das Leben gerade gut anfühlt

Serotonin wird gerne als „Glückshormon“ bezeichnet. Das ist wissenschaftlich viel zu simpel. Serotonin – chemisch 5-Hydroxytryptamin oder 5-HT – ist ein vielseitiger Botenstoff, der unter anderem an Stimmung, Appetit, Darmbewegung und zahlreichen weiteren Regulationsprozessen beteiligt ist.

Vielleicht lässt es sich trotzdem in einem Satz beschreiben:

**Serotonin ist Chemie, die mitentscheidet, ob sich das Leben gerade gut anfühlt.**

Und ausgerechnet der Darm ist eine seiner großen Produktionsstätten. Ein Großteil des körpereigenen Serotonins entsteht dort in sogenannten enterochromaffinen Zellen. Diese spezialisierten Zellen sitzen wie kleine chemische Sensorstationen in der Darmschleimhaut. Sie reagieren auf mechanische und chemische Signale ihrer Umgebung und können daraufhin Botenstoffe wie Serotonin freisetzen.

Unmittelbar vor diesen Zellen befindet sich allerdings kein steriler Raum. Dort treffen Nahrung, Schleim, Gallensäuren, menschliche Zellen, mikrobielle Stoffwechselprodukte und Milliarden Mikroorganismen aufeinander.

Die Darmzelle hört gewissermaßen ständig mit, **was in ihrer mikrobiellen Nachbarschaft passiert**.

Und hier taucht *Bacillus subtilis* erneut auf.

In einem experimentellen Modell untersuchten Forscher, wie *B. subtilis* die Darmbewegung beeinflussen könnte. Dabei fanden sie eine bemerkenswerte Signalkette. Veränderungen des Gallensäurestoffwechsels führten über den Rezeptor TGR5 und den Ionenkanal TRPA1 schließlich zu einer verstärkten **Freisetzung von Serotonin aus enterochromaffinen Zellen**.

Das ist ein entscheidender Unterschied.

***Bacillus subtilis* musste das Serotonin nicht selbst produzieren.**

**Es veränderte die Umgebung – und Zellen des Wirts reagierten darauf.**

Vielleicht ist genau dieses Prinzip eine der faszinierendsten Erkenntnisse der Mikrobiomforschung. Wir fragen häufig danach, welches Bakterium welchen Stoff herstellt. Doch ein Mikroorganismus kann unseren Körper auch beeinflussen, indem er Bedingungen verändert, Moleküle umwandelt oder Signalketten anstößt, auf die anschließend unsere eigenen Zellen reagieren.

**Ein Dirigent muss schließlich auch nicht jedes Instrument selbst spielen.**

Bei *B. subtilis* gibt es noch einen weiteren Hinweis in diese Richtung. Experimentelle Untersuchungen zeigen einen Einfluss auf die Expression des Serotonintransporters SERT in Darmepithelzellen. Dieser Transporter ist daran beteiligt, freigesetztes Serotonin wieder aufzunehmen und damit dessen Verfügbarkeit zu regulieren. Auch hier lautet die Geschichte also nicht: „Das Bakterium produziert Serotonin.“ Vielmehr greift es in eine Umgebung ein, in der Serotonin produziert, freigesetzt, erkannt und wieder aufgenommen wird.

Und nun wird aus unserer Darmgeschichte langsam eine Schlafgeschichte.

## Vom Serotonin zum Dunkelheitssignal

Wenn es draußen dunkel wird, schlafen wir nicht einfach deshalb ein, weil die Sonne verschwunden ist. Dunkelheit wird im Körper in biologische Signale übersetzt.

Eine zentrale Rolle spielt dabei **Melatonin**.

Melatonin gehört zu den wichtigsten chemischen Zeitsignalen des Organismus. Seine Konzentration steigt unter normalen Bedingungen am Abend an und vermittelt unseren Geweben gewissermaßen die Nachricht:

**Es ist Nacht.**

Und der biochemische Stammbaum des Melatonins führt zurück zu genau jenem Molekül, mit dem unsere Geschichte eben begonnen hat:

**Tryptophan → 5-Hydroxytryptophan → Serotonin → Melatonin.**

Plötzlich stehen Tryptophan, Serotonin und Schlaf in einer einzigen biochemischen Linie.

Doch hier lauert eine verführerische Fehlinterpretation. Man könnte daraus eine schöne, einfache Kette bauen:

*Bacillus subtilis* beeinflusst Serotonin im Darm → mehr Serotonin → mehr Melatonin → besserer Schlaf.

**So einfach funktioniert es nicht.**

Das im Darm gebildete Serotonin wandert nicht einfach durch die Blut-Hirn-Schranke und wird anschließend im Gehirn zu Melatonin verarbeitet. Peripheres und zentralnervöses Serotonin sind weitgehend getrennte Systeme. Außerdem wird Tryptophan über mehrere konkurrierende Stoffwechselwege verarbeitet.

Gerade deshalb wird die Geschichte aber interessanter.

Das Mikrobiom kann an verschiedenen Stellen dieses Systems mitwirken. Mikroorganismen können Tryptophan verstoffwechseln und unterschiedliche Metaboliten daraus erzeugen. Sie verändern Gallensäuren und andere Signalmoleküle. Und über Stoffwechselprodukte, Immunbotenstoffe, enterisches Nervensystem und Vagusnerv besitzt der Darm mehrere Kommunikationswege mit dem übrigen Organismus.

Wir haben es nicht mit einer Leitung zu tun, an deren einem Ende *Bacillus subtilis* sitzt und am anderen ein Schlafschalter.

Es ähnelt eher einem **nächtlichen Verkehrsnetz**.

Und irgendwo in diesem Netz befindet sich ein Bakterium, von dem wir inzwischen wissen, dass es selbst eine innere Uhr besitzt.

Vielleicht besteht die Beziehung zwischen Schlaf und Mikrobiom deshalb nicht aus Ursache und Wirkung in nur einer Richtung. Wir verändern mit Schlaf, Essenszeiten und Fastenphasen die Lebensbedingungen unserer Darmmikroorganismen. Gleichzeitig produzieren und verändern diese Organismen Moleküle, auf die unser Körper reagieren kann.

**Unsere Uhr verändert ihre Welt. Ihre Chemie könnte wiederum unsere Welt verändern.**

## Schlaf ist keine verlorene Zeit

„Schlaf ist die beste Medizin.“

Dieses Sprichwort entstand lange bevor jemand etwas von circadianen Genen, Autophagie, Mikrobiomen oder Neurotransmittern wusste. Und trotzdem steckt darin eine erstaunlich moderne Vorstellung.

Denn Schlaf ist kein Zustand, in dem der Organismus seine Arbeit einstellt.

**Er wechselt die Arbeit.**

Während wir scheinbar regungslos im Bett liegen, verändern sich Hormonsysteme, Immunprozesse, Energiehaushalt und Gehirnaktivität. Erinnerungen werden konsolidiert. Stoffwechselprogramme verändern sich.

Und auch innerhalb unserer Zellen laufen Wartungs- und Recyclingprozesse.

Einer davon heißt **Autophagie**.

Wörtlich übersetzt bedeutet das ungefähr „sich selbst essen“. Der drastische Name beschreibt einen eleganten biologischen Recyclingmechanismus. Beschädigte oder nicht mehr benötigte Zellbestandteile können eingeschlossen, zerlegt und ihre Bausteine teilweise wiederverwendet werden.

Autophagie findet nicht ausschließlich nachts statt. Schlaf ist auch nicht einfach ein Schalter, der sie aktiviert. Nährstoffversorgung, Energiestatus und circadiane Signale greifen gemeinsam in ihre Regulation ein. Gerade deshalb ist die Verbindung zwischen Schlaf, innerer Uhr und zellulären Wartungsprozessen so interessant.

**Der Körper nutzt Ruhe nicht zum Nichtstun.**

Besonders eindrucksvoll zeigt sich das im Gehirn. Dort beschäftigt sich die Forschung intensiv mit dem sogenannten glymphatischen System. Während des Schlafs verändern sich Flüssigkeitsbewegungen im Gehirngewebe und damit Bedingungen, unter denen Stoffwechselprodukte abtransportiert werden. Auch Proteine wie Amyloid-β werden in diesem Zusammenhang untersucht. Das populäre Bild einer nächtlichen „Gehirnwäsche“ ist zwar zu simpel – der dahinterliegende Zusammenhang zwischen Schlaf und Stofftransport im Gehirn ist jedoch real und Gegenstand intensiver Forschung.

Damit schließt sich ein Kreis zu Alzheimer und Parkinson.

Schlafstörungen werden längst nicht mehr ausschließlich als lästige Begleiterscheinungen neurodegenerativer Erkrankungen betrachtet. Forscher untersuchen, ob chronisch gestörter Schlaf, circadiane Desynchronisation und beeinträchtigte zelluläre beziehungsweise extrazelluläre Reinigungsmechanismen Teil jener biologischen Bedingungen sein könnten, unter denen sich problematische Proteinansammlungen über viele Jahre entwickeln. Ein 2026 erschienener Review zu Parkinson führt Schlaf, circadiane Regulation, Autophagie und glymphatische Clearance ausdrücklich in einem gemeinsamen Modell zusammen.

Vielleicht ist das alte Sprichwort deshalb näher an moderner Biologie, als seine Urheber jemals ahnen konnten:

**Schlaf ist nicht die Pause zwischen zwei Tagen.**

**Schlaf gehört zu den Wartungsprogrammen, die es überhaupt erst ermöglichen, Tag für Tag weiterzumachen.**

Und während unser Gehirn und unsere Zellen nachts ihr Programm verändern, verändert sich auch die Welt im Darm.

Die Nahrungszufuhr versiegt. Die chemische Umgebung verändert sich. Das Mikrobiom reagiert.

Und mitten darin befindet sich ein Organismus mit einer eigenen biologischen Uhr.

***Bacillus subtilis*.**

Jetzt fehlt eigentlich nur noch eine Frage:

**Kann dieses Bakterium nicht nur auf unseren Tag-Nacht-Rhythmus reagieren – sondern tatsächlich beeinflussen, wie wir schlafen?**

Bis vor Kurzem hätte man darauf hauptsächlich mit Hypothesen antworten können.

Inzwischen versuchen Forscher, genau das beim Menschen herauszufinden.

## 60 Menschen gehen schlafen

Irgendwo in Japan wird aus unserer scheinbar verrückten Frage ein Experiment.

Forscher untersuchen gesunde Erwachsene mit Schlafproblemen. Insgesamt sollen **60 Menschen** teilnehmen. Sie erhalten im Rahmen eines randomisierten Cross-over-Designs über längere Zeit entweder ein Testlebensmittel mit *Bacillus subtilis* oder eine Kontrollzubereitung.

Und die Forscher fragen am nächsten Morgen nicht einfach:

**„Na, gut geschlafen?“**

Sie messen.

Während mehrerer Nächte werden vom Zubettgehen bis zum Aufwachen **EEG und weitere bioelektrische Signale** aufgezeichnet. Erfasst werden unter anderem Gesamtschlafzeit, Schlafeffizienz, Einschlaflatenz, nächtliche Wachphasen und Tiefschlaf. Zusätzlich werden Fragebögen zu Schlafqualität, Tagesmüdigkeit und Schlaflosigkeit eingesetzt.

Und dann geschieht noch etwas, das unsere beiden Welten endgültig zusammenführt:

**Die Forscher untersuchen auch den Darm.**

Stuhlproben werden genommen und die Darmmikrobiota analysiert. Sie können also beobachten, ob sich während der Intervention nicht nur der Schlaf verändert, sondern gleichzeitig etwas im mikrobiellen Ökosystem geschieht.

Man kann sich kaum ein schöneres Bild für die moderne Darm-Hirn-Forschung vorstellen.

Auf der einen Seite liegt nachts ein Mensch im Bett. Elektroden zeichnen die elektrische Aktivität seines Gehirns auf.

Auf der anderen Seite befindet sich sein Darm mit Billionen Mikroorganismen.

Und dazwischen:

***Bacillus subtilis*.**

## Aber wir kennen die Antwort noch nicht

Genau hier müssen wir etwas tun, das bei faszinierender Forschung manchmal schwerfällt:

**abwarten.**

Die Studienregistrierung beschreibt das Experiment. Sie liefert bislang aber keine veröffentlichten Resultate, aus denen man schließen könnte, dass *Bacillus subtilis* den Schlaf tatsächlich verbessert. Auch Stamm und Dosierung sind in den öffentlich sichtbaren Angaben nicht ausreichend klar ausgewiesen.

Es wäre deshalb falsch, aus einer laufenden Untersuchung bereits eine Erfolgsmeldung zu machen.

Und ein älterer Humanversuch erinnert daran, warum diese Vorsicht wichtig ist. In einer randomisierten Untersuchung erhielten 76 gesunde Erwachsene sechs Wochen lang entweder **2 Milliarden KBE Bacillus subtilis BS50 täglich** oder Placebo. Die Teilnehmer schliefen allerdings bereits zu Studienbeginn überwiegend gut, und Schlaf war nicht der zentrale Untersuchungsgegenstand. Einen signifikanten Unterschied der Schlafqualität zwischen BS50 und Placebo fanden die Forscher nicht.

Auch dieses Ergebnis gehört zur Geschichte.

Denn es sagt uns:

**Nicht jeder Bacillus-subtilis-Stamm macht automatisch jeden Menschen zum besseren Schläfer.**

Stamm, Dosis, Ausgangssituation und Studiendesign spielen eine Rolle. Gerade deshalb ist die japanische Untersuchung interessant: Sie richtet den Blick gezielt auf Menschen mit Schlafproblemen und versucht, Veränderungen nicht nur subjektiv, sondern während der Nacht objektiv zu erfassen.

Die Frage lautet nicht mehr nur:

**Fühlen Sie sich ausgeschlafener?**

Sondern:

**Schlafen Sie länger? Schlafen Sie effizienter? Schlafen Sie schneller ein? Wachen Sie nachts weniger auf? Verändert sich Ihr Tiefschlaf?**

Das sind Fragen, auf die ein EEG eine andere Art von Antwort geben kann als das Gefühl am Frühstückstisch.

## Vielleicht haben wir die falsche Frage gestellt

Am Anfang dieses Artikels lautete die Frage:

**Mit Subtilis im Darm schläft man besser?**

Nach allem, was wir inzwischen gesehen haben, erscheint diese Frage beinahe zu einfach.

Denn der Darm ist kein Behälter, in den man ein Bakterium hineinsetzt und anschließend auf eine Wirkung wartet. Wir sehen stattdessen ein System aus Uhren, Stoffwechselwegen und Signalen.

Der Mensch besitzt eine innere Uhr. Sein Darm folgt Tagesrhythmen. Seine Mahlzeiten setzen zeitliche Signale. Tryptophan gelangt in unterschiedliche Stoffwechselwege. Darmzellen reagieren auf mikrobielle und chemische Signale. Serotonin wird produziert, freigesetzt und wieder aufgenommen. Das Mikrobiom verändert seine Aktivität.

Und mitten in diesem rhythmischen Ökosystem befindet sich mit *Bacillus subtilis* ein Mikroorganismus, der offenbar **selbst Zeit messen kann.**

Vielleicht lautet die viel interessantere Frage deshalb:

**Was passiert, wenn die Uhr eines Mikroorganismus auf die Uhr seines Wirts trifft?**

Wir wissen es noch nicht.

Vielleicht werden die laufenden Untersuchungen keinen bedeutsamen Effekt auf den menschlichen Schlaf finden. Vielleicht finden sie einen kleinen. Vielleicht entdecken Forscher einen Zusammenhang, nach dem heute noch niemand sucht.

Genau darin liegt das Faszinierende an Forschung, solange die Antwort noch nicht feststeht.

Aber damit bleibt für den Leser dieses Artikels eine ganz praktische Frage übrig.

## Warum sollte ich Bacillus subtilis dann heute überhaupt verwenden?

Wenn noch nicht bewiesen ist, dass *Bacillus subtilis* den Schlaf verbessert – warum sollte man ihn dann nehmen?

Die Antwort sollte ausdrücklich **nicht** lauten:

**Weil man damit besser schläft.**

Das wissen wir nicht.

Und vielleicht wird sich eines Tages sogar herausstellen, dass *Bacillus subtilis* für den Schlaf eines gesunden Menschen kaum eine Rolle spielt.

Aber der Schlaf ist eben auch nicht der Grund, warum dieses Bakterium überhaupt interessant geworden ist.

[Bacillus subtilis und die Subtiliswelt](https://bacillus-subtilis.eu/pages/die-subtiliswelt?ref=subtila24.de) ist ein natürlicher Sporenbildner mit einer ungewöhnlichen Biologie. Seine Sporen können extreme Umweltbedingungen überstehen und den Verdauungstrakt passieren. Bestimmte Stämme können vorübergehend auskeimen und metabolisch aktiv werden. Die Art verfügt über ein enormes enzymatisches Repertoire, kommuniziert chemisch mit ihrer Umgebung, konkurriert mit anderen Mikroorganismen und besitzt, wie wir inzwischen wissen, sogar eine eigene zeitliche Organisation.

Und je genauer die Wissenschaft hinsieht, desto weniger erscheint *Bacillus subtilis* wie „nur ein Bakterium“.

Die Forschung zu Schlaf fügt diesem Bild deshalb zunächst **keine bewiesene Wirkung**, sondern eine weitere faszinierende Frage hinzu.

Das ist ein wichtiger Unterschied.

Wer *Bacillus subtilis* heute verwendet, sollte ihn nicht deshalb verwenden, weil irgendwann vielleicht bewiesen werden könnte, dass er Alzheimer verhindert, Parkinson beeinflusst oder den Tiefschlaf verlängert. Solche Versprechen wären der Forschung weit voraus.

Man kann die Sache aber auch umdrehen.

**Muss ein Mikroorganismus erst für jede einzelne denkbare Wirkung eine klinische Studie besitzen, bevor seine bereits bekannten biologischen Eigenschaften interessant werden?**

Bei *Bacillus subtilis* haben wir es nicht mit einem neu erfundenen Molekül zu tun, das gestern erstmals in einem Labor synthetisiert wurde. Sporenbildende Bacillen gehören zur natürlichen mikrobiellen Umwelt des Menschen. Bestimmte *B.-subtilis*\-Stämme werden längst gezielt als Probiotika eingesetzt und beim Menschen untersucht.

Wer einen solchen Stamm verwendet, kann das deshalb aus einem viel nüchterneren Grund tun:

**Weil Bacillus subtilis bereits heute biologisch interessant genug ist – auch ohne ihm Wirkungen zuzuschreiben, die erst morgen bewiesen oder widerlegt werden.**

**Wer Bacillus subtilis lieber sehen als lesen möchte:** In der Dokumentation [Die Invasion der 10 Milliarden](https://bacillus-subtilis.eu/pages/subtiliswelt-filme-dokumentationen?ref=subtila24.de) geht es um die außergewöhnliche Biologie dieser Mikrobe.

Und vielleicht liegt darin sogar die vernünftigere Haltung gegenüber einem Forschungsgebiet, das sich so schnell entwickelt.

Nicht:

**„Ich nehme Bacillus subtilis, damit ich besser schlafe.“**

Sondern:

**„Ich beschäftige mich mit Bacillus subtilis, weil wir bereits erstaunlich viel über dieses Bakterium wissen – und offensichtlich noch längst nicht alles.“**

Ob der Schlaf eines Tages zu den überzeugend belegten Kapiteln dieser Geschichte gehören wird, müssen die laufenden Untersuchungen zeigen.

## Und was ist mit DSM 21097?

Spätestens hier muss noch eine Unterscheidung getroffen werden.

*Bacillus subtilis* ist eine Art.

**DSM 21097 ist ein bestimmter Stamm dieser Art.**

Und genau deshalb dürfen Ergebnisse mit einem *B.-subtilis*\-Stamm nicht automatisch einem anderen zugeschrieben werden. Das gilt auch für diesen Artikel.

Für **Bacillus subtilis DSM 21097** gibt es bislang keine klinische Studie, die zeigt, dass dieser Stamm den menschlichen Schlaf verbessert. Auch die hier beschriebenen circadianen Experimente wurden nicht mit DSM 21097 im menschlichen Darm durchgeführt.

Das sollte man nicht verschweigen.

Interessant wird DSM 21097 aus einem anderen Grund. Der Stamm besitzt eine umfangreich charakterisierte Stoffwechsel- und Enzymausstattung und gehört zu jenen *B.-subtilis*\-Stämmen, deren biologische Eigenschaften schon seit Jahrzehnten untersucht werden. Was davon unter den Bedingungen des menschlichen Darms tatsächlich relevant wird und ob darunter irgendwann auch Verbindungen zu circadianer Regulation, Tryptophanstoffwechsel oder Schlaf gefunden werden, ist offen.

**Wir wissen es schlicht noch nicht.**

Aber genau deshalb lohnt es sich, die Entwicklung zu verfolgen.

Denn Wissenschaft funktioniert selten so, dass eines Morgens plötzlich die fertige Wahrheit auf dem Tisch liegt. Zuerst taucht eine Beobachtung auf. Dann ein Mechanismus. Dann eine Hypothese. Andere Wissenschaftler widersprechen. Experimente folgen. Manche scheitern. Andere öffnen eine neue Tür. Irgendwann wird aus einer merkwürdigen Beobachtung ein Forschungsgebiet.

Bei *Bacillus subtilis* und Schlaf stehen wir irgendwo ziemlich weit am Anfang dieser Entwicklung.

## Während wir schlafen

Vielleicht bekommt damit auch das alte Sprichwort eine zusätzliche Bedeutung:

**Schlaf ist die beste Medizin.**

Wir wissen heute wesentlich besser als frühere Generationen, warum Schlaf für den Organismus so wichtig ist. Gehirn, Immunsystem, Stoffwechsel und zelluläre Wartungsprozesse verändern während dieser Stunden ihre Arbeit. Chronisch schlechter Schlaf wird inzwischen mit zahlreichen gesundheitlichen Problemen in Verbindung gebracht.

Und gleichzeitig beginnen wir zu verstehen, dass auch die Billionen Mikroorganismen in unserem Darm Teil einer zeitlich organisierten Biologie sind.

Unsere Mahlzeiten verändern ihre Welt.

Unsere Fastenphasen verändern ihre Welt.

Unser Tag verändert ihre Welt.

Unsere Nacht verändert ihre Welt.

Und ihre Stoffwechselprodukte verändern wiederum die chemische Welt, in der unsere eigenen Zellen leben.

Vielleicht wird sich herausstellen, dass *Bacillus subtilis* innerhalb dieses gewaltigen Systems nur eine kleine Nebenrolle spielt.

Vielleicht ist seine Rolle größer.

**Noch kennen wir die Antwort nicht.**

Aber während Forscher inzwischen untersuchen, **wie Menschen unter der Einnahme von *Bacillus subtilis* schlafen**, und dabei nachts deren Gehirnaktivität messen, ist aus einer Frage, die vor wenigen Jahren noch ziemlich abwegig geklungen hätte, bereits ein wissenschaftliches Experiment geworden.

Und genau deshalb sollten wir mit dem Urteil noch warten.

Nicht mit Begeisterung.

Nicht mit Neugier.

Aber mit dem Urteil.

Denn wenn wir die Augen schließen, wird es in unserem Darm nicht dunkel. Unser Stoffwechsel verändert sich. Das Mikrobiom reagiert. Milliarden Mikroorganismen setzen ihre Arbeit fort.

Und irgendwo dazwischen kann sich eine winzige Spore öffnen und ein Lebewesen erwachen, das kein Gehirn besitzt, keine Augen und keine Uhr an der Wand.

Und dennoch etwas besitzt, das wir erst seit wenigen Jahren wirklich zu verstehen beginnen:

**seine eigene Zeit.**

**Autor: Andreas W. Kraus**  
Weiterführende Informationen zur Welt von *Bacillus subtilis*:  
[bacillus-subtilis.eu](https://bacillus-subtilis.eu/?ref=subtila24.de&utm%5Fsource=chatgpt.com)