Verstopfung oder Durchfall: Warum Bacillus subtilis bei beiden Extremen erforscht wird
Verstopfung und Durchfall könnten gegensätzlicher kaum sein. Doch ausgerechnet Bacillus subtilis wird bei beiden Verdauungsproblemen erforscht. Die Studien zeigen ein überraschendes Muster: Vielleicht geht es weniger ums Beschleunigen oder Bremsen – sondern um Regulation.
Das eine ist zu langsam, das andere zu schnell. Trotzdem wird Bacillus subtilis wissenschaftlich bei beiden Verdauungsproblemen untersucht. Der Schlüssel könnte nicht im Beschleunigen oder Bremsen liegen – sondern in der Regulation.
Es gibt wohl kaum ein alltäglicheres Gesundheitszeichen als den Gang zur Toilette. Und trotzdem sprechen wir erstaunlich wenig darüber.
Solange alles funktioniert, gibt es schließlich auch wenig Anlass dazu. Der Stuhlgang kommt regelmäßig, ohne großes Pressen, ohne Schmerzen und ohne besondere Aufmerksamkeit. Erst wenn sich etwas verändert, wird aus einer Selbstverständlichkeit plötzlich ein Thema.
Der eine sitzt auf der Toilette und wartet. Der andere schafft es kaum rechtzeitig dorthin.
Verstopfung und Durchfall könnten gegensätzlicher kaum erscheinen.
Doch aus Sicht des Darms erzählen beide möglicherweise dieselbe Geschichte: Ein fein reguliertes System hat seinen normalen Bereich verlassen.
Und genau hier wird es interessant. Denn ausgerechnet Bacillus subtilis wird wissenschaftlich auf beiden Seiten dieses Spektrums untersucht – bei Verstopfung ebenso wie bei Durchfall.
Wie kann das sein?
Was ist eigentlich ein guter Stuhlgang?
Um diese Frage zu beantworten, müssen wir zunächst über etwas sprechen, das normalerweise erst dann Aufmerksamkeit bekommt, wenn es nicht mehr funktioniert: den normalen Stuhl.
Mediziner verwenden zur Beschreibung der Konsistenz unter anderem die Bristol-Stuhlformen-Skala. Sie teilt Stuhl in sieben Typen ein.
Typ 1 besteht aus einzelnen harten Kügelchen. Typ 2 ist wurstförmig, aber klumpig. Beide Formen sprechen eher für Verstopfung.
Am anderen Ende befinden sich Typ 6 und 7: breiiger bis vollständig wässriger Stuhl.
Dazwischen liegt der erwünschte Bereich: Typ 3 und Typ 4 – geformt, weich und normalerweise leicht auszuscheiden. Typ 4 ist glatt und weich und gilt häufig als geradezu bilderbuchartige Stuhlform.
Ein guter Stuhlgang bedeutet dabei nicht, dass jeder Mensch jeden Morgen zur gleichen Uhrzeit auf die Toilette gehen muss. Die normale Stuhlfrequenz unterscheidet sich von Mensch zu Mensch.
Entscheidender ist das Gesamtbild.
Der Stuhl sollte geformt, aber nicht hart sein. Er sollte sich ohne starkes Pressen und ohne Schmerzen ausscheiden lassen. Und anschließend sollte nicht ständig das Gefühl zurückbleiben, dass der Darm noch nicht vollständig entleert ist.
Bei einer solchen Konsistenz bleibt häufig auch erstaunlich wenig zurück. Manchmal ist das Toilettenpapier beim ersten Wischen nahezu sauber.
Der unscheinbare Toilettengang wird damit zu einer Art täglichem Statusbericht unseres Verdauungssystems.
Wenn der Darm zu langsam wird
Bei Verstopfung denken viele zunächst nur an die Häufigkeit des Stuhlgangs.
Doch Verstopfung bedeutet nicht einfach, einen Tag lang nicht auf die Toilette zu gehen.
Zu den typischen Merkmalen gehören weniger als drei Stuhlgänge pro Woche, harter, trockener oder klumpiger Stuhl, Schwierigkeiten oder Schmerzen beim Ausscheiden oder das Gefühl einer unvollständigen Entleerung.
Ein wichtiger Faktor dabei ist die Transitzeit.
Während der Darminhalt durch den Dickdarm wandert, wird Wasser aufgenommen. Verbleibt der Darminhalt länger dort, kann ihm mehr Wasser entzogen werden. Der Stuhl wird trockener und härter.
Auf der Bristol-Skala bewegt er sich aus der Mitte in Richtung Typ 2 und schließlich Typ 1.
Die Ursachen dafür können vollkommen unterschiedlich sein. Ernährung und Ballaststoffzufuhr können eine Rolle spielen, ebenso Flüssigkeit, Bewegung, Medikamente, Erkrankungen, Veränderungen des Alltags und Störungen der Darmmotilität.
Und dann gibt es noch einen weiteren Mitspieler:
das Mikrobiom.
Bacillus subtilis bei Verstopfung?
Auf den ersten Blick könnte man erwarten, dass ein Bakterium entweder den Stuhl weicher oder fester macht.
Die Forschung zeichnet jedoch ein interessanteres Bild.
In einer randomisierten, doppelblinden und placebokontrollierten Humanstudie wurden 67 Erwachsene mit selbst berichteten gastrointestinalen Beschwerden vier Wochen lang untersucht.
Bei den Teilnehmern, die ein deaktiviertes Bacillus-subtilis-Präparat erhielten, verbesserten sich die Verstopfungssymptome um 33 Prozent. In der Placebogruppe betrug die Verbesserung 15 Prozent.
Auch eine zusätzliche statistische Analyse der Symptomgruppen zeigte für Verstopfung einen signifikanten Vorteil gegenüber Placebo.
Das ist ein interessantes Ergebnis – allerdings mit einer wichtigen Einschränkung: In dieser Untersuchung wurden keine lebenden Bacillus-subtilis-Sporen eingesetzt. Das Präparat bestand aus deaktiviertem Bacillus subtilis und war reich an verzweigtkettigen Fettsäuren. Die Studie liefert deshalb einen Hinweis aus der Bacillus-subtilis-Forschung, darf aber nicht einfach mit der Wirkung lebender Sporen gleichgesetzt werden.
Noch größer wird das Bild, wenn man Studien betrachtet, in denen Bacillus subtilis Bestandteil probiotischer Kombinationen war.
Eine 2025 veröffentlichte Metaanalyse fasste 32 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 3.055 Patienten mit Verstopfung zusammen.
Untersucht wurde eine Kombination aus lebendem Bacillus subtilis und Enterococcus faecium. Gegenüber den jeweiligen Kontrollbehandlungen zeigten sich unter anderem Verbesserungen bei der Stuhlfrequenz, beim Bristol-Stuhlwert und bei der Wahrscheinlichkeit einer Darmentleerung innerhalb von 24 Stunden.
Auch hier gilt: Die Ergebnisse können nicht Bacillus subtilis allein zugeschrieben werden.
Aber sie zeigen etwas Entscheidendes:
Bacillus subtilis taucht in der klinischen Forschung zu Verstopfung keineswegs zufällig auf.
Wenn sich der Stuhl Richtung Mitte bewegt
2026 kam eine weitere interessante Untersuchung hinzu.
In einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studie erhielten 78 Erwachsene mit funktioneller Verstopfung vier Wochen lang entweder Placebo oder eine Mischung aus drei sporenbildenden Bakterien.
Eines davon war Bacillus subtilis.
Besonders interessant war dabei nicht einfach nur die Frage, ob die Menschen häufiger zur Toilette gingen.
Die Stuhlkonsistenz verschob sich signifikant in Richtung Bristol-Typ 3 und 4.
Also genau in jenen Bereich, der als normal und gut geformt gilt.
Auch Beschwerden wie unvollständige Entleerung und Bauchschmerzen vor dem Stuhlgang verbesserten sich in der Probiotikagruppe.
Wieder müssen wir wissenschaftlich sauber bleiben: Es handelte sich um eine Mischung mehrerer Sporenbildner. Wir können den Effekt deshalb nicht allein Bacillus subtilis zuschreiben.
Für unsere Geschichte ist das Ergebnis trotzdem bemerkenswert.
Denn das Ziel war nicht:
möglichst weich.
Das Ziel war:
Richtung normal.
Ein möglicher Weg führt über Gallensäuren und Serotonin
Noch spannender wird es, wenn man nach dem Warum fragt.
In einem experimentellen Mausmodell der sogenannten Slow-Transit-Obstipation – einer Verstopfung mit verlangsamter Darmpassage – untersuchten Forscher Bacillus subtilis genauer.
Dabei geschah einiges.
Die Zahl der Darmentleerungen innerhalb von 24 Stunden nahm zu. Der Wassergehalt des Kots stieg. Gleichzeitig beschleunigte sich der Transport durch den Darm.
Doch die Forscher fanden auch Hinweise darauf, was biologisch dahinterstecken könnte.
Bacillus subtilis veränderte den Gallensäurestoffwechsel. Gleichzeitig wurde ein Signalweg über den Gallensäurerezeptor TGR5 aktiviert und die Freisetzung von Serotonin, 5-HT, aus enterochromaffinen Zellen des Darms erhöht.
Serotonin kennen die meisten Menschen vor allem als Botenstoff des Gehirns.
Doch im Darm spielt 5-HT eine wichtige Rolle bei der Steuerung von Bewegungsabläufen. Auch unabhängig von Bacillus subtilis ist experimentell gut beschrieben, dass Gallensäuren über TGR5 Signale auslösen können, die an der Peristaltik beteiligt sind.
Damit entsteht zumindest im Tiermodell ein faszinierendes Bild:
Mikrobielles Geschehen → Gallensäurestoffwechsel → TGR5 → Serotonin → Darmbewegung.
Das ist noch kein Beweis dafür, dass derselbe Mechanismus beim Menschen in gleicher Weise abläuft.
Aber es zeigt, wie viel komplexer die Beziehung zwischen Darmbakterien und Stuhlgang sein kann als die einfache Vorstellung eines biologischen Abführmittels.
Und jetzt kommt das Paradoxe: Bacillus subtilis wird auch bei zu weichem Stuhl untersucht
Wenn Bacillus subtilis bei einem langsamen Darm die Darmbewegung unterstützen kann, müsste man eigentlich erwarten, dass das bei Durchfall eine ziemlich schlechte Idee wäre.
Schließlich scheint dort ohnehin schon alles zu schnell zu gehen.
Doch genau hier nimmt unsere Geschichte eine überraschende Wendung.
Bacillus subtilis wurde nämlich auch bei Menschen mit chronisch weichem Stuhl untersucht.
In einer randomisierten, doppelblinden und placebokontrollierten Humanstudie führte die Einnahme von Bacillus-subtilis-Sporen zu einer signifikanten Abnahme des Bristol-Stuhlwertes und der Stuhlfrequenz.
Der ohnehin weiche Stuhl wurde also nicht noch weicher.
Er bewegte sich in die andere Richtung.
Gleichzeitig beobachteten die Forscher Veränderungen verschiedener Gruppen innerhalb des Darmmikrobioms.
Und damit haben wir unser eigentliches Paradox:
Bei Verstopfung finden wir Hinweise auf eine Bewegung
weg vom zu harten Stuhl.
Bei chronisch weichem Stuhl sehen wir eine Bewegung
weg vom zu weichen Stuhl.
Beide Richtungen weisen auf dieselbe Mitte.
93,5 Prozent gegenüber 22,6 Prozent
Noch eindrucksvoller wird diese andere Seite in einer randomisierten, doppelblinden und placebokontrollierten Studie mit 68 Kindern im Alter von 1 bis 12 Jahren mit antibiotikaassoziiertem Durchfall.
Sie erhielten sieben Tage lang entweder Bacillus subtilis oder Placebo.
Bereits am dritten Tag hatten 93,5 Prozent der Kinder in der Bacillus-subtilis-Gruppe wieder normale Stuhlformen auf der Bristol-Skala.
In der Placebogruppe waren es zu diesem Zeitpunkt lediglich 22,6 Prozent.
Der Unterschied war statistisch hochsignifikant.
Bis zum siebten Tag hatten sich die Stuhlformen bei nahezu allen Kindern beider Gruppen normalisiert. Unter Bacillus subtilis geschah dies jedoch deutlich schneller.
Auch die Bauchschmerzen gingen in der Bacillus-subtilis-Gruppe schneller zurück.
Die Autoren formulieren entsprechend vorsichtig: Bacillus subtilis könne nach Beginn eines antibiotikaassoziierten Durchfalls zu einer schnelleren Besserung beitragen; weitere Untersuchungen seien erforderlich.
Aber für unsere Geschichte ist etwas anderes entscheidend.
Wir haben hier lebende Bacillus-subtilis-Sporen bei einem Zustand, bei dem der Stuhl bereits viel zu weich ist.
Und was geschieht?
Der Stuhl wird nicht noch weicher.
Er bewegt sich Richtung normal.
Und es gibt noch mehr Daten zu Durchfall
Das Bild beschränkt sich nicht auf diese einzelne Studie.
Eine aktuelle Metaanalyse wertete 33 randomisierte Studien zu einer Kombination aus Bacillus subtilis und Enterococcus faecium bei antibiotikaassoziiertem Durchfall aus.
Insgesamt umfassten die ausgewerteten Studien mehrere Tausend Teilnehmer.
Die Kombination war sowohl mit einer schnelleren Besserung bestehenden Durchfalls als auch mit einem geringeren Risiko für antibiotikaassoziierten Durchfall verbunden.
Auch hier gilt selbstverständlich: Eine Kombination aus zwei Mikroorganismen erlaubt keine Aussage darüber, welcher Anteil des beobachteten Effekts auf Bacillus subtilis entfällt.
Aber zusammen mit den Untersuchungen von Bacillus subtilis allein entsteht ein bemerkenswert konsistentes Forschungsbild:
Bacillus subtilis wird nicht nur auf einer Seite des Verdauungsspektrums untersucht.
Durchfall ist allerdings nicht einfach ein Darm, der zu schnell arbeitet
An dieser Stelle müssen wir mit einem verbreiteten Bild aufräumen.
Durchfall ist nicht einfach nur die umgekehrte Verstopfung.
Akuter Durchfall kann beispielsweise durch Virusinfektionen, Lebensmittelinfektionen oder Nebenwirkungen von Medikamenten entstehen. Chronischer Durchfall kann unter anderem mit Unverträglichkeiten, Erkrankungen des Verdauungstraktes, Medikamenten oder Störungen der Darm-Hirn-Interaktion zusammenhängen.
Antibiotika sind für unsere Geschichte besonders interessant.
Sie bekämpfen Bakterien – können dabei aber gleichzeitig die Zusammensetzung der mikrobiellen Gemeinschaft des Darms erheblich verändern. Eine mögliche Folge ist antibiotikaassoziierter Durchfall.
Entscheidend ist am Ende das Zusammenspiel aus Transit, Wasser- und Elektrolytbewegung, Schleimhaut, Nervensystem, Ernährung und Mikrobiom.
Der Darm ist also weit mehr als ein Rohr, durch das Nahrung entweder schnell oder langsam hindurchläuft.
Vielleicht ist „Regulation“ deshalb das interessantere Wort
Genau hier müssen wir wissenschaftlich vorsichtig bleiben.
Die vorhandenen Studien erlauben nicht die pauschale Aussage:
„Bacillus subtilis reguliert bei jedem Menschen den Stuhlgang.“
Dafür unterscheiden sich die untersuchten Menschen, Präparate, Dosierungen, Bakterienstämme und Studiendesigns zu stark.
Einige Untersuchungen verwendeten Bacillus subtilis allein, andere Bakterienkombinationen und eine der Studien sogar deaktiviertes Bacillus-subtilis-Material.
Trotzdem ergibt sich eine bemerkenswerte Forschungsfrage.
Wenn Bacillus subtilis auf der einen Seite bei Verstopfung untersucht wird und auf der anderen Seite Humanstudien existieren, in denen sich zu weicher oder durchfallartiger Stuhl unter Bacillus subtilis Richtung normaler Stuhlformen verändert:
Ist „schneller oder langsamer“ überhaupt die richtige Frage?
Vielleicht sollten wir stattdessen fragen:
Kann Bacillus subtilis Prozesse beeinflussen, die an der Regulation des Darmökosystems beteiligt sind?
Das ist eine andere Vorstellung.
Ein Abführmittel soll den Darm in eine bestimmte Richtung bewegen.
Ein klassischer Durchfallstopper soll ihn in die andere bewegen.
Ein Mikroorganismus dagegen kann mit einem ganzen Ökosystem interagieren.
Der Darm ist kein Fließband
Vielleicht liegt genau hier unser Denkfehler.
Wir stellen uns Verdauung gern mechanisch vor.
Oben kommt Nahrung hinein. Unten kommt heraus, was übrig bleibt. Dazwischen befindet sich ein langer Schlauch, dessen Geschwindigkeit darüber entscheidet, ob alles funktioniert.
Doch der Darm ist kein Fließband.
Mikroorganismen verändern dort Moleküle. Gallensäuren werden umgebaut. Nervenzellen kommunizieren mit Darmzellen. Mikroorganismen produzieren Stoffwechselprodukte. Immunzellen überwachen die Schleimhaut. Wasser und Elektrolyte werden permanent aufgenommen und abgegeben.
Das Mikrobiom ist Teil dieses Systems und nicht bloß ein Passagier im Darminhalt.
Dass ein Mikroorganismus deshalb nicht zwingend nur in eine einzige physiologische Richtung wirken muss, erscheint plötzlich gar nicht mehr so paradox.
Nicht weich. Nicht hart. Sondern normal.
Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis dieser Geschichte.
Ein guter Stuhl ist nicht möglichst weich.
Und er ist nicht möglichst fest.
Er liegt in jener erstaunlich unspektakulären Mitte, über die kaum jemand spricht, solange alles funktioniert.
Bristol 3 bis 4. Geformt. Weich. Leicht auszuscheiden.
Der Darm muss dafür ständig regulieren: Bewegung, Wasser, Elektrolyte, Schleim, mikrobielle Stoffwechselprozesse und zahlreiche Signalwege.
Verstopfung und Durchfall befinden sich an unterschiedlichen Enden dieses komplexen Systems.
Und ausgerechnet Bacillus subtilis taucht in der Forschung an beiden Enden auf.
Bei Verstopfung gibt es klinische Untersuchungen und experimentelle Hinweise auf Zusammenhänge mit Darmmotilität, Gallensäuren und Serotonin.
Bei zu weichem Stuhl zeigen Humanstudien Veränderungen von Stuhlfrequenz und Konsistenz in Richtung normaler Werte.
Und bei antibiotikaassoziiertem Durchfall erreichten in einer randomisierten Studie nach nur drei Tagen 93,5 Prozent der mit Bacillus subtilis behandelten Kinder wieder normale Stuhlformen – gegenüber 22,6 Prozent unter Placebo.
Das macht Bacillus subtilis nicht zu einem universellen Mittel gegen jedes Verdauungsproblem.
Aber die Forschung legt eine faszinierende Frage auf den Tisch:
Vielleicht sollten wir bei Bacillus subtilis weniger in den Kategorien „beschleunigen“ und „bremsen“ denken – und stärker in der Kategorie Regulation.
Denn ein gut funktionierendes biologisches System tut normalerweise weder ständig das eine noch ständig das andere.
Es hält sich innerhalb eines Bereichs.
Und manchmal erkennt man das Ergebnis eines erstaunlich komplexen Zusammenspiels aus Mikroorganismen, Nervensystem, Stoffwechsel und Darmbewegung an etwas denkbar Einfachem:
Man geht zur Toilette – und denkt anschließend nicht weiter darüber nach.
Über den Autor
Andreas W. Kraus beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Bacillus subtilis und der Frage, welche Rolle dieses außergewöhnlich vielseitige Bakterium im menschlichen Darm spielen kann. Für Subtila24 verfolgt und analysiert er aktuelle wissenschaftliche Arbeiten rund um Mikrobiom, Verdauung und Bacillus subtilis und übersetzt die oft komplexen Ergebnisse in verständliche Zusammenhänge. Ein besonderer Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf dem Referenzstamm DSM 21097.
Weiterlesen: Die verborgene Enzymwelt von Bacillus subtilis
Bacillus subtilis kann weit mehr, als mit seiner Umgebung im Darm zu interagieren. Das Bakterium ist auch eine erstaunliche biologische Produktionsstätte für Enzyme und andere Stoffwechselprodukte. Eine besonders spannende Spur führt zu den Subtilisinen – und von dort sogar zur japanischen Nattokinase.