Ist Bacillus subtilis gefährlich?
Ist Bacillus subtilis gefährlich? Was EFSA, Forschung und seltene Fallberichte wirklich über die Sicherheit des Bakteriums sagen – und warum der Stamm entscheidend ist.
Was man über Sicherheit, Risiken und den richtigen Stamm wissen sollte
Wer bei Google „Bacillus subtilis“ eingibt, bekommt als eine der vorgeschlagenen Suchanfragen ausgerechnet „Bacillus subtilis gefährlich“ angezeigt.
Das klingt zunächst beunruhigend. Schließlich handelt es sich um ein lebendes Bakterium, dessen Sporen auch in Nahrungsergänzungsmitteln eingesetzt werden.
Doch die kurze Antwort lautet:
Bacillus subtilis gilt für gesunde Menschen grundsätzlich nicht als gefährlicher oder krankheitserregender Mikroorganismus.
Ganz ohne Einschränkung sollte man es trotzdem nicht formulieren. Denn bei Bakterien gibt es einen wichtigen Unterschied zwischen Art und Stamm – und genau dort wird die Geschichte interessant.
Was sagt die EFSA zu Bacillus subtilis?
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA verwendet für Mikroorganismen ein System namens QPS – Qualified Presumption of Safety.
Vereinfacht übersetzt bedeutet das: qualifizierte Sicherheitsannahme.
Dabei betrachtet die EFSA unter anderem, wie gut ein Mikroorganismus wissenschaftlich bekannt ist und ob relevante Sicherheitsbedenken bestehen. Bacillus subtilis gehört zu den Bacillus-Arten mit QPS-Status.
Das ist durchaus bemerkenswert: Die EFSA verwendet dieses Verfahren gerade für Mikroorganismen, die beispielsweise Lebensmitteln oder Futtermitteln zugesetzt oder für deren Herstellung eingesetzt werden.
Aber QPS bedeutet nicht: Jeder Stamm darf ungeprüft verwendet werden und jeder denkbare Bacillus subtilis ist automatisch unbedenklich.
Für Bacillus-Arten stellt die EFSA zusätzliche Bedingungen. Bei einem konkreten Stamm müssen unter anderem die Identität bestätigt, relevante erworbene Antibiotikaresistenzen ausgeschlossen und das Fehlen eines toxigenen Potenzials sichergestellt werden.
Genau deshalb ist bei einem Bakterium die Stammbezeichnung so wichtig.
„Bacillus subtilis“ ist zunächst nur die Art.
Eine Bezeichnung wie Bacillus subtilis DSM 21097 bezeichnet dagegen einen konkreten, identifizierbaren Stamm.
Bacillus subtilis begleitet den Menschen schon lange
Bacillus subtilis ist keine moderne Erfindung aus dem Labor.
Das Bakterium kommt natürlicherweise in der Umwelt vor. Besonders bekannt ist seine Verbindung mit fermentierten Lebensmitteln. Das berühmteste Beispiel ist das japanische Natto, bei dessen Herstellung traditionell Bacillus subtilis var. natto eingesetzt wird.
Die Verbindung reicht sogar bis in die europäische Lebensmittelregulierung: Bereits 2009 wurde in der EU Vitamin K2 (Menachinon) aus Bacillus subtilis natto als neuartige Lebensmittelzutat zugelassen.
Das bedeutet nicht, dass dadurch automatisch jeder lebende Bacillus-subtilis-Stamm für jede Anwendung zugelassen wäre.
Es zeigt aber etwas anderes sehr deutlich:
Wir sprechen hier nicht über einen exotischen Krankheitserreger, sondern über eine Bakterienart mit einer langen Geschichte in Fermentation, Lebensmittelbiotechnologie und Forschung.
Kann Bacillus subtilis trotzdem Infektionen verursachen?
Hier lohnt sich ein genauer Blick.
Tatsächlich existieren in der wissenschaftlichen Literatur seltene Fallberichte über Infektionen mit Bacillus subtilis.
Ein oft zitiertes Beispiel stammt aus dem Jahr 1998. Dabei wurde bei einem 73-jährigen Patienten eine wiederkehrende Septikämie mit Bacillus subtilis beschrieben.
Das klingt zunächst dramatisch.
Der entscheidende Teil der Geschichte steht jedoch bereits im Titel der wissenschaftlichen Veröffentlichung:
„…in an immunocompromised patient“ – bei einem immungeschwächten Patienten.
Der Mann litt an chronischer lymphatischer Leukämie und damit an einer schweren Beeinträchtigung seines Immunsystems. Er hatte zuvor ein Präparat mit lebenden Bacillus-subtilis-Sporen eingenommen.
Die Autoren selbst beschrieben das krankmachende Potenzial von Bacillus subtilis grundsätzlich als gering oder nicht vorhanden, warnten aber vor hohen Mengen lebender Mikroorganismen bei schwer immungeschwächten Patienten.
Das ist eine wichtige Unterscheidung.
Denn auch Mikroorganismen, die für gesunde Menschen normalerweise kein Problem darstellen, können unter außergewöhnlichen medizinischen Bedingungen anders bewertet werden.
Und was ist mit Subtilisin?
Auch hier entsteht schnell ein falscher Eindruck.
Bacillus subtilis kann Proteasen bilden, darunter Enzyme aus der Gruppe der Subtilisine. Für hochkonzentrierte Enzyme sind insbesondere aus der industriellen Verarbeitung Sensibilisierungen bekannt.
Dabei geht es beispielsweise um Menschen, die am Arbeitsplatz wiederholt konzentrierten Enzymstäuben über Haut und Atemwege ausgesetzt sind.
Das ist etwas völlig anderes als die Frage, ob jemand Bacillus-subtilis-Sporen mit einem Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel aufnimmt.
Auch die EFSA trennt solche Expositionswege ausdrücklich voneinander. Der QPS-Ansatz bewertet beispielsweise nicht automatisch Risiken durch Einatmen oder Hautkontakt bei der industriellen Handhabung eines Produkts.
Aus „Subtilisin kann bei beruflicher Exposition sensibilisieren“ wird deshalb nicht automatisch:
„Bacillus subtilis ist gefährlich.“
Die eigentlich wichtige Frage lautet: Welcher Bacillus subtilis?
Vielleicht liegt genau hier das Missverständnis.
Wir sprechen bei Bakterien häufig über Arten, obwohl sich einzelne Stämme erheblich unterscheiden können.
Das kennen wir aus anderen Bereichen längst. Bei einem Nahrungsergänzungsmittel sollte deshalb nicht nur Bacillus subtilis auf dem Etikett interessant sein, sondern auch die Frage:
Welcher Stamm?
Eine eindeutige Stammbezeichnung ermöglicht überhaupt erst, Forschung, Herkunft und Sicherheitsdaten einem bestimmten Mikroorganismus zuzuordnen.
Bei Bacillus subtilis DSM 21097 verweist die Bezeichnung beispielsweise auf einen konkret hinterlegten Stamm. Seine Geschichte lässt sich über Jahrzehnte zurückverfolgen.
Und genau deshalb beschäftigen wir uns bei Subtila24 immer wieder so ausführlich mit einzelnen Stämmen.
Denn zwischen
„enthält Bacillus subtilis“
und
„enthält einen eindeutig identifizierten Bacillus-subtilis-Stamm“
liegt wissenschaftlich ein wichtiger Unterschied.
Also: Ist Bacillus subtilis gefährlich?
Für gesunde Menschen gilt Bacillus subtilis grundsätzlich als Mikroorganismus mit einem sehr günstigen Sicherheitsprofil. Die Art besitzt bei der EFSA QPS-Status und blickt auf eine lange Geschichte in Forschung, Fermentation und Lebensmittelanwendungen zurück.
Völlig risikofrei ist jedoch kein lebender Mikroorganismus unter allen denkbaren Umständen.
Bei schwer immungeschwächten Menschen sind seltene Infektionen beschrieben worden. Und bei der Bewertung eines Produkts sollte immer berücksichtigt werden, welcher konkrete Stamm verwendet wird.
Vielleicht ist deshalb eine andere Frage sogar sinnvoller als „Ist Bacillus subtilis gefährlich?“:
Welchen Bacillus subtilis nehme ich eigentlich?
Wer diese Frage beantworten kann, ist bei der Beurteilung eines Produkts schon einen entscheidenden Schritt weiter.
Deshalb: Achten Sie auf den Stamm auf dem Produkt
Wenn Sie ein Produkt mit Bacillus subtilis verwenden oder kaufen möchten, schauen Sie nicht nur auf die Bakterienart.
Achten Sie auf die vollständige Stammbezeichnung.
Steht dort lediglich „Bacillus subtilis“ – oder wird ein konkret identifizierbarer Stamm angegeben?
Denn erst über die Stammbezeichnung lassen sich Herkunft, Hinterlegung, Untersuchungen und Sicherheitsdaten eindeutig zuordnen.
Für Bacillus subtilis DSM 21097 haben wir die entsprechenden Informationen ausführlich zusammengestellt:
👉 Bacillus subtilis DSM 21097 – Analysen & Nachweise
👉 Produktdatenblatt zu VIDABIOMA, Bacillus subtilis DSM 21097
So können Sie selbst nachlesen, mit welchem Stamm Sie es zu tun haben – und worauf seine Bewertung beruht.
Über den Autor
Andreas W. Kraus beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit Bacillus subtilis und insbesondere mit dem Referenzstamm DSM 21097. In Subtila24 schreibt er über die Biologie dieser außergewöhnlichen Mikrobe, ihre Geschichte, die Unterschiede zwischen einzelnen Stämmen und darüber, was die moderne Forschung über ihre Eigenschaften und Sicherheit herausfindet.